Nur drei Fundstücke aus der Cheops-Pyramide: Eines war über 70 Jahre verschollen
Aus dem Inneren der Cheops-Pyramide sind nur drei kleine Fundstücke bekannt. Eines davon verschwand in einer schottischen Universität und tauchte Jahrzehnte später in einer Zigarrendose wieder auf.
Das Wichtigste in Kürze
- 1872 fand der britische Ingenieur Waynman Dixon in Schächten der Königinnenkammer eine Kugel, einen Haken und Holz.
- Kugel und Haken liegen im British Museum, das Holz kam an die Universität Aberdeen und galt lange als verloren.
- Verschollen war das Holz gut 70 Jahre, von der Übergabe 1946 bis zur Wiederentdeckung 2020.
- Die Radiokarbondatierung ergab etwa 3341 bis 3094 vor Christus, das ist älter als die Pyramide.
Inhalt dieses Artikels
Die Cheops-Pyramide ist eines der berühmtesten Bauwerke der Welt. Seit Jahrhunderten wird sie vermessen, erforscht und bestaunt. Man könnte meinen, in ihrem Inneren hätten Forschende im Lauf der Zeit unzählige Gegenstände entdeckt.
Das Gegenteil ist der Fall. Als die einzigen bekannten Fundstücke aus dem Inneren gelten gerade einmal drei kleine Objekte: eine Kugel, ein Haken und ein Stück Holz. Und eines davon war jahrzehntelang verschwunden, bis es in einer schottischen Universität in einer Zigarrendose wieder auftauchte.
Die Cheops-Pyramide: riesig und fast leer
Die Pyramide steht auf dem Plateau von Gizeh am Rand von Kairo. Sie wurde für den Pharao Cheops errichtet, nach der üblichen Datierung etwa zwischen 2580 und 2560 vor Christus. Ursprünglich war sie rund 146 Meter hoch, und sie ist das einzige der sieben Weltwunder der Antike, das bis heute erhalten ist.
Im Inneren führen Gänge zu mehreren Kammern. In der sogenannten Königskammer steht ein leerer Sarkophag aus Granit. Schätze, wie man sie etwa aus dem Grab des Tutanchamun kennt, wurden in der Pyramide nicht gefunden. Vermutlich wurde sie schon im Altertum ausgeraubt.
Die Aussage, es gebe nur drei Fundstücke, sollten Sie allerdings mit etwas Vorsicht lesen. Gemeint sind kleine, bewegliche Gegenstände, die im Inneren entdeckt wurden. Sie werden häufig als die einzigen bekannten beschrieben, je nach Quelle und Zählweise fällt die Darstellung aber unterschiedlich aus.
1872: Waynman Dixon und die rätselhaften Schächte
Die drei Objekte gehen auf den britischen Ingenieur Waynman Dixon zurück. Er untersuchte 1872 die sogenannte Königinnenkammer. Der Name ist irreführend: Nach heutigem Wissen wurde dort wohl nie eine Königin bestattet.
Von dieser Kammer führen zwei schmale Schächte schräg nach oben in das Mauerwerk. Sie werden oft Luftschächte genannt, doch ob sie wirklich der Belüftung dienten, ist umstritten. Anders als die Schächte der Königskammer reichen sie nicht bis nach draußen.
In diesen Schächten entdeckte Dixon drei Gegenstände:
- eine kleine Kugel aus Granit, also aus sehr hartem Gestein,
- einen kleinen Haken aus Metall, der meist als Bronze- oder Kupferhaken beschrieben wird,
- ein Stück Zedernholz, das sich später als besonders aufschlussreich erweisen sollte.
Wo die Fundstücke heute sind
Kugel und Haken befinden sich heute im British Museum in London. Das Holzstück nahm einen anderen Weg: Es gelangte über James Grant an die Universität Aberdeen in Schottland, der es 1946 übergeben wurde.
Dort verlor sich seine Spur. Das Holz ging in den umfangreichen Sammlungen verloren und galt jahrzehntelang als verschollen. Bekannt wurde seine Wiederentdeckung im Jahr 2020: Eine Kuratorin stieß bei der Durchsicht eines ganz anderen Sammlungsbereichs auf eine Zigarrendose mit Holzsplittern. Mithilfe alter Unterlagen ließ sich klären, dass es sich um das gesuchte Stück aus der Pyramide handelte.
Über 70 oder über 100 Jahre?
In manchen Berichten heißt es, das Holz sei über 100 Jahre verschwunden gewesen. Das stimmt so nicht. Verschollen war es gut 70 Jahre, nämlich von der Übergabe an die Universität 1946 bis zur Wiederentdeckung.
Die längere Zahl hat aber einen wahren Kern. Seit Dixons Fund im Jahr 1872 sind bis zur Wiederentdeckung fast 150 Jahre vergangen. Eine Radiokarbondatierung war in dieser Zeit nicht möglich: Zunächst gab es die Methode noch gar nicht, und später fehlte das Holz.

Was die Radiokarbondatierung verrät
Nach der Wiederentdeckung wurde das Holz datiert. Bei der Radiokarbondatierung, auch C14-Methode genannt, nutzt man eine Eigenschaft aller Lebewesen: Solange ein Baum wächst, nimmt er Kohlenstoff auf, darunter eine winzige Menge radioaktiven Kohlenstoff. Danach zerfällt dieser mit bekannter Geschwindigkeit, seine Menge halbiert sich in rund 5.700 Jahren.
Aus dem verbliebenen Anteil lässt sich berechnen, wann das Holz gewachsen ist. Das Ergebnis überraschte: Es stammt aus der Zeit von etwa 3341 bis 3094 vor Christus. Damit ist es mehrere Jahrhunderte älter als die Pyramide, deren Bau üblicherweise auf etwa 2580 bis 2560 vor Christus datiert wird.
Warum das Holz älter ist als die Pyramide
Das bedeutet nicht, dass die Pyramide älter ist als gedacht. Die Radiokarbonmethode datiert das Material, nicht den Zeitpunkt, an dem es verwendet wurde. Für den Altersunterschied gibt es zwei naheliegende Erklärungen:
- Holz aus dem Kern eines sehr alten Baums: Die inneren Jahresringe eines Baums sind oft Jahrhunderte älter als die äußeren. Stammt das Stück aus dem Kern eines sehr alten Stamms, wirkt es entsprechend alt.
- Wiederverwendetes Holz: Zedern wuchsen nicht in Ägypten, ihr Holz wurde vor allem aus dem Gebiet des heutigen Libanon eingeführt. Ein so wertvolles Material wurde vermutlich sorgfältig aufbewahrt und mehrfach genutzt.
Wozu dienten Kugel, Haken und Holz?
Das ist bis heute nicht geklärt. Häufig wird vermutet, dass es sich um Werkzeuge oder Bauhilfen handelt, die beim Bau verwendet und in den Schächten zurückgelassen wurden. Belegt ist keine dieser Deutungen, und auch andere Erklärungen wurden diskutiert.
Gerade das macht die drei unscheinbaren Objekte so spannend. Sie sind kleine, greifbare Spuren der Menschen, die vor über 4.500 Jahren an diesem gewaltigen Bau gearbeitet haben. Auch geologisch hält Afrika übrigens Überraschungen bereit, etwa mit den Gasblasen in heißen Quellen in Sambia.
Bei uns auf dem Dachboden steht eine alte Blechdose mit Knöpfen, Schlüsseln und allerlei Kleinkram aus dem Haus meiner Großmutter. Zu einigen Schlüsseln weiß inzwischen niemand mehr, welches Schloss sie einmal geöffnet haben. Seit ich die Geschichte aus Aberdeen kenne, schaue ich diese Dose mit etwas anderen Augen an.
Wer gern in alten Geschichten stöbert, dem gefällt vielleicht auch der Beitrag darüber, woher Halloween ursprünglich kommt.
Fazit
Aus dem Inneren der Cheops-Pyramide sind nur drei kleine Fundstücke bekannt: eine Granitkugel, ein Metallhaken und ein Stück Zedernholz, entdeckt 1872 von Waynman Dixon. Kugel und Haken liegen im British Museum, das Holz verschwand nach 1946 in den Sammlungen der Universität Aberdeen und tauchte nach gut 70 Jahren in einer Zigarrendose wieder auf.
Seine Datierung auf etwa 3341 bis 3094 vor Christus wirft kein neues Licht auf das Alter der Pyramide, wohl aber auf den Umgang mit dem kostbaren Rohstoff Holz. Wofür Kugel, Haken und Holz einst gedacht waren, bleibt dagegen ein Rätsel.
Häufige Fragen
Wo kann man die Dixon-Fundstücke heute sehen?
Kugel und Haken gehören zur Sammlung des British Museum in London. Das Zedernholz befindet sich an der Universität Aberdeen in Schottland. Ob die Stücke gerade ausgestellt sind, kann sich ändern.
Ist die Cheops-Pyramide älter als gedacht?
Nein, die Datierung des Holzes ändert daran nichts. Die Radiokarbonmethode bestimmt, wann das Holz gewachsen ist, nicht wann es verbaut wurde. Altes Kernholz oder wiederverwendetes Holz erklären den Unterschied.
Warum war das Holzstück so lange verschwunden?
Es war in den Sammlungen der Universität Aberdeen offenbar falsch eingeordnet worden. Erst bei einer Durchsicht eines anderen Sammlungsbereichs fand eine Kuratorin die Zigarrendose mit den Splittern wieder. Über alte Unterlagen ließ sich das Stück dann zuordnen.
Quellen und Hintergrund
- British Museum: Sammlungsangaben zu Granitkugel und Haken aus der Cheops-Pyramide
- Universität Aberdeen: Wiederentdeckung und Radiokarbondatierung des Zedernholzes aus der Cheops-Pyramide
Dieser Artikel wurde nach unseren Redaktionsrichtlinien recherchiert und zuletzt am 5. Oktober 2026 geprüft. Die Angaben ersetzen keine individuelle Beratung.
Sabine Müller
Gründerin und Chefredakteurin · Breisgau, Baden-Württemberg
Sabine Müller schreibt seit über 20 Jahren über Haushalt, Garten, Ernährung und Verbraucherfragen. Die gelernte Redakteurin lebt mit ihrer Familie, Hündin Frieda und Kater Moritz im Breisgau und testet viele Alltagstipps zuerst im eigenen Zuhause.
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