Haushalt & Wohnen

Warum jetzt so viele Spinnen im Haus auftauchen und was wirklich hilft

Abends auf dem Teppich, morgens in der Badewanne: Im Herbst scheinen Spinnen plötzlich überall zu sein. Der Hauptgrund ist dabei meist nicht die Kälte, sondern die Partnersuche.

Frau trägt eine Hausspinne unter einem umgedrehten Glas mit einer Postkarte darunter zum geöffneten Fenster
Symbolbild (KI-generiert) · Müller Sabine

Das Wichtigste in Kürze

  • Im Herbst wandern vor allem Männchen der Winkelspinnen auf Partnersuche durch Haus und Wohnung.
  • Heimische Hausspinnen sind für Menschen ungefährlich, die meisten kommen gar nicht durch die Haut.
  • Fliegengitter und dichte Ritzen helfen, für Kastanien und Duftöle gibt es keine belegte Wirkung.
  • Mit Glas und Postkarte lassen sich Spinnen schonend nach draußen bringen.
Inhalt dieses Artikels
  1. Wer da durchs Wohnzimmer läuft: die Winkelspinne
  2. Sind Hausspinnen gefährlich?
  3. Was wirklich hilft, damit weniger Spinnen hereinkommen
  4. Spinne im Zimmer: So bringen Sie sie schonend nach draußen
  5. Wenn Spinnen große Angst machen
  6. Fazit
  7. Häufige Fragen

Sie sitzen abends auf dem Sofa, und aus dem Augenwinkel huscht etwas Dunkles mit langen Beinen über den Teppich. Ein paar Tage später hockt die nächste Spinne in der Badewanne, und spätestens jetzt fragen sich viele: Warum sind es im Herbst plötzlich so viele?

Die Antwort hat weniger mit dem Wetter zu tun, als man meinen könnte. Die meisten Tiere, die jetzt durch Wohnzimmer und Flure laufen, sind nicht auf der Flucht vor der Kälte, sondern auf Partnersuche. Und fast alle sind deutlich harmloser, als ihr Auftritt vermuten lässt.

Wer da durchs Wohnzimmer läuft: die Winkelspinne

Die großen, dunklen Spinnen mit den langen, behaarten Beinen, die im Spätsommer und Herbst besonders auffallen, sind meist Winkelspinnen. Umgangssprachlich heißen sie oft einfach Hausspinnen oder Hauswinkelspinnen, dahinter stecken einige nah verwandte Arten.

Ihren Namen verdanken sie ihrer Vorliebe für Ecken und Winkel. Dort bauen sie flache, tuchartige Netze mit einer trichterförmigen Wohnröhre, in der sie auf Beute lauern. Mit ausgestreckten Beinen wirken sie erstaunlich groß, der Körper selbst ist viel kleiner.

Warum gerade jetzt so viele?

Im Spätsommer und Herbst ist bei den Winkelspinnen Paarungszeit. Die Männchen verlassen dann ihre Netze und wandern auf der Suche nach einem Weibchen umher, auch quer durch Wohnräume. Deshalb begegnen sie uns jetzt auf offenen Flächen, wo sie sonst kaum zu sehen sind.

Die verbreitete Annahme, Spinnen flüchteten vor der Kälte ins Haus, ist dabei nur ein Teil der Wahrheit. Viele Winkelspinnen leben ohnehin das ganze Jahr in Kellern, Garagen, auf Dachböden oder hinter Schränken. Sie waren also oft längst da, nur gut versteckt. Dass im Herbst auch Tiere von draußen durch offene Fenster oder Ritzen hereinkommen, ist trotzdem möglich.

Sind Hausspinnen gefährlich?

Die kurze Antwort lautet: nein. Die in Deutschland heimischen Hausspinnen sind für Menschen ungefährlich. Die meisten Arten können die menschliche Haut mit ihren Kieferklauen gar nicht durchdringen. Und die wenigen, die es könnten, beißen in aller Regel nur, wenn sie sich bedrängt fühlen, etwa wenn man sie mit der bloßen Hand festhält.

Eine bekannte Ausnahme ist der Ammen-Dornfinger. Sein Biss ist schmerzhaft und wird oft mit einem Wespenstich verglichen, die Stelle kann sich röten und anschwellen. Die Spinne lebt aber bevorzugt in hohem Gras, etwa auf sonnigen, wenig gemähten Wiesen, und kommt kaum ins Haus. Bisse passieren deshalb meist draußen, etwa bei der Arbeit im hohen Gras.

Ähnlich verhält es sich mit der Nosferatu-Spinne. Sie stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum und breitet sich seit einigen Jahren in Deutschland aus, besonders im Südwesten. Sie taucht auch in Wohnungen auf und kann die Haut durchdringen. Ihr Biss gilt nach bisherigen Erfahrungen als etwa so unangenehm wie ein Wespenstich und ist für gesunde Menschen nicht gefährlich.

Nützlinge mit acht Beinen

So unheimlich sie manchen erscheinen: Spinnen sind ausgesprochen nützliche Mitbewohner. Sie fangen Mücken, Fliegen, Motten und andere Insekten, die sich ins Haus verirren. Wer im Keller oder auf dem Dachboden ein paar Spinnen duldet, hat dort eine kostenlose und völlig chemiefreie Insektenabwehr.

Kurios ist, wie genügsam die Tiere sind. Viele Spinnen können erstaunlich lange ohne Nahrung auskommen, oft viele Wochen. Deshalb überleben sie auch in einem aufgeräumten Keller, in den sich nur selten eine Fliege verirrt. Und die Große Zitterspinne, die mit ihren fadendünnen Beinen gern an der Zimmerdecke hängt, frisst sogar andere Spinnen, darunter auch Winkelspinnen.

Was wirklich hilft, damit weniger Spinnen hereinkommen

Ganz spinnenfrei wird kaum ein Haus, und das muss es auch nicht. Mit ein paar Maßnahmen lässt sich aber beeinflussen, wie viele Tiere von draußen hereinkommen:

  • Fliegengitter: An Fenstern, die oft gekippt oder geöffnet sind, halten Gitter Insekten und Spinnen gleichermaßen draußen.
  • Ritzen abdichten: Spalten an Fensterrahmen, Türen, Kellerfenstern und Rohrdurchführungen lassen sich mit Dichtband oder passender Dichtmasse schließen. Das verringert nebenbei auch Zugluft.
  • Licht am Abend: Beleuchtete Räume mit offenem Fenster locken Insekten an und damit indirekt auch die Spinnen, die sie jagen. Lüften Sie abends lieber bei ausgeschaltetem Licht oder schließen Sie vorher Rollläden und Vorhänge.
  • Verstecke reduzieren: Kartonstapel, Altpapier und Gerümpel in Keller und Garage bieten Spinnen und ihrer Beute ruhige Rückzugsorte. Je weniger ungestörte Ecken, desto weniger Platz für Netze.

Aufs Lüften müssen Sie wegen der Spinnen nicht verzichten. In der Heizsaison ist kurzes Stoßlüften mehrmals am Tag wichtig gegen Feuchtigkeit und Schimmel, ein Fliegengitter stört dabei nicht. Wer Wäsche in der Wohnung trocknet, lüftet ohnehin häufiger.

Zu chemischen Sprays müssen Sie in aller Regel nicht greifen. Fachleute, etwa beim Umweltbundesamt, raten im Haushalt generell dazu, lieber vorzubeugen, als Insektenmittel in Innenräumen zu versprühen.

Kastanien, Pfefferminzöl und Co.: Was ist dran?

Rund um Spinnen kursieren viele Hausmittel. Besonders hartnäckig hält sich der Tipp, Kastanien in Zimmerecken oder auf die Fensterbank zu legen. Eine Wirkung ist wissenschaftlich nicht belegt. Mehr als ein bisschen Herbstdeko sollten Sie sich davon nicht versprechen. Wer einen Hund hat, lässt Rosskastanien besser gar nicht offen liegen, denn sie zählen zu den typischen Gefahren für Hunde im Herbst.

Ähnlich sieht es bei Pfefferminzöl, Lavendel oder Essig aus: Belastbare Belege für eine abschreckende Wirkung gibt es für keines dieser Mittel. Vorsicht gilt in Haushalten mit Katzen, denn ätherische Öle können für sie problematisch sein. Im Zweifel fragen Sie lieber in der Tierarztpraxis nach.

Spinne im Zimmer: So bringen Sie sie schonend nach draußen

Die bewährteste Methode braucht nur zwei Dinge aus dem Haushalt, ein Glas und eine Postkarte:

  1. Stülpen Sie das Glas langsam und ruhig über die Spinne.
  2. Schieben Sie die Postkarte vorsichtig zwischen Glas und Untergrund, bis die Öffnung ganz bedeckt ist.
  3. Halten Sie Karte und Glas fest zusammen und tragen Sie beides nach draußen oder zum offenen Fenster.
  4. Setzen Sie die Spinne an einer geschützten Stelle ab, etwa an einer Hecke, einem Holzstapel oder im Schuppen.

Bei uns ist das Glas mit der Postkarte im Herbst fast ein Familienritual. Meist entdeckt eines der Kinder die Spinne, ich übernehme den Transport, und Kater Moritz verfolgt das Ganze von der Fensterbank aus, als hätte er Eintritt bezahlt.

Wenn Spinnen große Angst machen

Für manche Menschen ist eine Spinne im Schlafzimmer weit mehr als ein kurzer Schreck. Spinnenangst gehört zu den häufigsten Ängsten überhaupt. Bei manchen ist sie so stark, dass sie den Alltag einschränkt: Der Keller wird gemieden, abends wird jede Zimmerecke abgesucht.

Die gute Nachricht: Solche Ängste lassen sich in der Regel gut behandeln. Als besonders wirksam gilt eine Verhaltenstherapie, bei der Betroffene sich der Angst Schritt für Schritt und mit fachlicher Begleitung stellen. Anlaufstellen sind die Hausarztpraxis oder direkt eine psychotherapeutische Praxis.

Fazit

Dass im Herbst so viele Spinnen auftauchen, liegt vor allem an Winkelspinnen-Männchen auf Partnersuche, und viele von ihnen waren ohnehin schon im Haus. Die heimischen Hausspinnen sind für Menschen ungefährlich und halten nebenbei Mücken und Fliegen in Schach.

Wer weniger Besuch möchte, setzt auf Fliegengitter, dichte Ritzen und wenig Licht bei offenem Fenster. Kastanien und Duftöle können Sie sich sparen. Und für die Spinne, die es trotzdem ins Wohnzimmer schafft, reichen ein Glas, eine Postkarte und ein ruhiger Moment.

Häufige Fragen

Kommen Spinnen durch den Abfluss in die Badewanne?

In aller Regel nicht. Im Siphon steht Wasser, das für Spinnen kaum zu überwinden ist. Meist sind die Tiere von oben in die Wanne gefallen und kommen an den glatten Wänden nicht mehr hinaus.

Verschluckt man im Schlaf Spinnen?

Dafür gibt es keine Belege, die Behauptung gilt als hartnäckiger Mythos. Atem, Wärme und Bewegungen eines schlafenden Menschen bedeuten für Spinnen eher Gefahr als Einladung.

Wann sind wieder weniger Spinnen unterwegs?

Die Partnersuche der Winkelspinnen-Männchen konzentriert sich auf Spätsommer und Herbst, danach wird es meist deutlich ruhiger. Viele Männchen leben nach der Paarungszeit nicht mehr lange. Die Weibchen bleiben dagegen meist gut versteckt in ihren Netzen.

Quellen und Hintergrund

  • NABU: Spinnen in Haus und Garten
  • NABU: Ammen-Dornfinger und Nosferatu-Spinne
  • Umweltbundesamt: Vorbeugen statt Biozide im Haushalt

Dieser Artikel wurde nach unseren Redaktionsrichtlinien recherchiert und zuletzt am 3. Oktober 2026 geprüft. Die Angaben ersetzen keine individuelle Beratung.

Sabine Müller

Sabine Müller

Gründerin und Chefredakteurin · Breisgau, Baden-Württemberg

Sabine Müller schreibt seit über 20 Jahren über Haushalt, Garten, Ernährung und Verbraucherfragen. Die gelernte Redakteurin lebt mit ihrer Familie, Hündin Frieda und Kater Moritz im Breisgau und testet viele Alltagstipps zuerst im eigenen Zuhause.

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